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Bulletin 1-2020 - Migration und kulturelle Vielfalt

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Liebe Leserin und lieber Leser

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Kürzlich schilderte mir die Geschäftsleiterin einer Spitex-Organisation folgende Praxissituation: Das viele Wasser, das eine 80-jährige Witwe beim Duschen jeweils verbrauchte, konnten die beiden Pflegefachpersonen, die seit 10 Jahren bei dieser Klientin im Einsatz sind, nicht mit ihrer eigenem sparsamen Umgang mit Wasser vereinbaren. Sie forderten eine Intervision mit dem Pflegeteam ein.
Im Rahmen der Intervision konnte herausgearbeitet werden, dass der hohe Wasserverbrauch zur rituellen Ganzkörperwaschung der Witwe gehörte, welche in ihrem Kulturkreis Pflicht ist.

Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, mit welchen Situationen die Spitex-Mitarbeitenden konfrontiert werden. Die zunehmende kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft fordert die Spitex-Pflegefachpersonen in ihren Schlüsselkompetenzen wie Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit, situatives Reagieren, Entscheidungsvermögen und Selbstmanagement.

Die NPO-Spitex erkennt die demographische Veränderung, die unsere Gesellschaft erlebt, und reagiert darauf. Sie macht ihre Organisationen «migrations-sensitiv», indem sie das Thema auf strategischer Ebene verankert und die Vorgesetzten sich engagiert positionieren und handeln. Durch Schulung und Reflexion von Alltagssituationen, wie eingangs beschrieben, erweitern Pflegefachpersonen ihre Kompetenzen, die Qualität der pflegerischen Arbeit wird weiter gesteigert.

Diese Haltung trägt auch den Grundsätzen «ambulant vor stationär» und «überall für alle» Rechnung und, davon bin ich überzeugt, lohnt sich für alle.
Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Barbara Steiger
Leiterin Fachstelle Bildung und Entwicklung - SVAG
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Christina Zweifel äusserte sich im November zur demographischen Entwicklung und zur Altersversorgung von MigrantInnen im Aargau.

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Natürlich pflegen Spitex-Mitarbeitende im Kanton Aargau schon heute Menschen mit Migrationshintergrund. Allerdings lässt sich feststellen, dass die Nutzungsquote von ambulanten Pflegedienstleistungen bei älteren MigrantInnen tiefer ist als bei gleichaltrigen SchweizerInnen. Grund dafür ist in vielen Fällen, dass sie das Angebot nicht kennen oder dass die Alterspflege traditionsgemäss innerfamiliär organisiert wurde.

Das Verhältnis der zweiten Generation, der Töchter und Söhne der Eingewanderten, zur institutionellen Alterspflege ist aber im Wandel begriffen: Aufgrund der eigenen Lebensverhältnisse mit häufiger Doppelerwerbstätigkeit sind sie nicht mehr in der Lage und willens, die Pflege selber zu übernehmen. Der stationäre Pflegebedarf bei älteren MigrantInnen wird also ansteigen, wenn die Spitex-Leistungen zu wenig bekannt gemacht werden. Die NPO-Spitex hat zum Ziel, die Spitex auch für diese Zielgruppe noch sichtbarer zu machen und ihr den Zugang zur Pflege zu Hause zu erleichtern.

Denn auch hier gilt: Mit dem Einsatz von Spitex-Pflegeleistungen kann ein stationärer Aufenthalt vermieden oder zumindest herausgezögert werden.
Deshalb ist davon auszugehen, dass die neue Generation älterer MigrantInnen in Zukunft mehr Spitex-Leistungen beziehen wird, als dies die aktuelle Generation tut. 
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Der Gesundheitszustand von älteren MigrantInnen ist aufgrund belasteter Migrationsbiographien, jahrelanger Arbeit in gesundheitsbelastenden Sektoren des Arbeitsmarktes oder traumatischer Erfahrungen als Flüchtlinge, schlechter im Vergleich zu gleichaltrigen SchweizerInnen. Dies betrifft sowohl die subjektive Gesundheitseinschätzung als auch die Wahrscheinlichkeit, wegen psychischer oder körperlicher Beschwerden behandelt zu werden. Sie sind häufiger von Altersarmut betroffen und leben oft isolierter als gleichaltrige SchweizerInnen, was auch mit den teilweise mangelnden Sprachkenntnissen zusammenhängen kann.

Auch die Lebensgeschichte eines jeden Klienten ist einzigartig und hat Einfluss auf seine Bedürfnisse bei der Pflege. Besonders bei MigrantInnen kann die Kenntnis der Biografie helfen, KlientInnen besser zu verstehen. 

Die Dienstleistungen der Spitex müssen auf die Bedürfnisse der KlientInnen angepasst werden. Nur so kann die NPO-Spitex ihren Leistungsauftrag überall und für alle erfüllen.

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Anders als im Spital betreten die Pflegefachpersonen der Spitex die Privatsphäre der Wohnung ihrer KlientInnen. Dabei gilt es mehr als im öffentlichen Raum, die Sitten und Bräuche, die Migrantinnen und Migranten aus ihren Herkunftsländern mitgebracht haben, zu respektieren.
So soll man bei muslimischen Klienten die Schuhe vor der Wohnung ausziehen. Bei Menschen aus Italien, Portugal oder der Türkei wird die Pflegefachperson oft richtiggehend in die Familie integriert und durchaus mit Küssen oder Umarmungen begrüsst. Eine Pflegefachperson muss sich dieser anderen Umgangsformen bewusst sein, sich nicht von Klischees leiten lassen und die eigenen Grenzen reflektieren. Es gilt, immer wieder den Mittelweg zu finden zwischen dem Respekt gegenüber der anderen Kultur und den eigenen Werten.
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Die Pflegefachfrau HF, arbeitet bei der Spitex Region Lenzburg. Sie ist im Kosovo geboren und lebt seit dem siebten Lebensjahr in der Schweiz.

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Auch in der Vermittlerrolle der Spitex sieht der kantonale Spitex Verband eine grosse Chance für die Versorgung der MigrantInnen: Spitex-Mitarbeitende sollen die verschiedenen Leistungserbringer in komplexen Situationen koordinieren können, damit sich die Migrantinnen und Migranten in unserem Gesundheitswesen besser zurechtfinden. So wird die Spitex sinnvoll eingesetzt und es können verfrühte Spitaleintritte vermieden werden. Dass dieser Effekt die Gesundheitskosten dämpft, ist Ausgangslage der kantonalen Strategie "ambulant vor stationär".
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Links:
HEKS AltuM Alter und MIgration Aargau
SRK
Spitex Verband Aargau
Spitex Schweiz


Impressum:
Spitex Verband Aargau
Laurenzenvorstadt 11
5000 Aarau
T 062 824 64 39

info@spitexag.ch
www.spitexag.ch

Ausgabe Nr. 16 | Januar 2020
(erscheint zweimal jährlich)
Redaktion/Gestaltung: Liliane Keller Würmli

Unser Bulletin beleuchtet aktuelle Themen der NPO-Spitex und liefert Hintergrundinformationen.
Vertiefende Informationen zu anderen Themen finden Sie auf www.spitexag.ch


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Im Kanton Aargau wohnhafte über 55-jährige MigrantInnen stammen aus 159 Staaten.
Im Kanton Aargau wohnhafte über 55-jährige MigrantInnen stammen aus 159 Staaten.
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Herkunftsländer
Die SeniorInnen aus Deutschland gefolgt von den SeniorInnen aus Italien machen aktuell den grössten Anteil der älteren MigrantInnen aus. Gemäss den Zahlen des Amtes für Statistik Aargau wird in 10 Jahren eine grosse Bevölkerungsgruppe mit Wurzeln aus der iberischen Halbinsel und Ländern des ehemaligen Jugoslawiens in ein Alter kommen, in dem sie auf häusliche Pflege angewiesen sein werden. Der Anteil AusländerInnen in der pflegeintensiven Altersgruppe der über 80-jährigen wird deutlich steigen.

In Zahlen
Die grösste Gruppe kommt aus Deutschland (12’679), gefolgt von Italien (10’185), Österreich (3’343), Kosovo (2’472), Türkei 2’442), Serbien (2’287), Bosnien Herzegowina (1’636) und Kroatien (1’504) und Mazedonien (1’358). Es gibt aber auch viele Nationalitäten, die nur vereinzelt in der Altersgruppe der über 55-Jährigen vertreten sind. So stammen 270 Personen aus über 70 verschiedenen Ländern.
Die Karte zeigt, dass im Kanton Aargau Bosnisch-Serbisch-Kroatisch (BKS) die am häufigsten gesprochene/verstandene Sprache der über 55-jährigen MigrantInnen ist, gefolgt von Italienisch, Englisch, Spanisch und Französisch.
Im Kanton Aargau wohnhafte über 55-jährige MigrantInnen stammen aus 159 Staaten.
Im Kanton Aargau wohnhafte über 55-jährige MigrantInnen stammen aus 159 Staaten.
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BIld wird noch anders platziert, war nur ein Test, ob es auch in Klein geht
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Was waren für HEKS die Beweggründe, zusammen mit dem Spitex Verband Aargau einen Leitfaden für NPO-Spitex-Organisationen zu erstellen?
Der Umgang mit kultureller Vielfalt und sprachlichen Barrieren wird die Spitex-Organisationen in naher Zukunft intensiver beschäftigen. Wir wollten die Spitex-Leitungen unterstützen, sich auf diese Veränderungen vorzubereiten und Tools anbieten, welche im Alltag helfen.
Zudem möchten wir sicherstellen, dass MigrantInnen trotz kultureller Unterschiede und Sprachbarrieren Zugang zu Spitex-Leistungen erhalten.

Wie erlebten Sie den Projektverlauf?
 Wir starteten mit einer Bachelorarbeit, welche wir bei der FHNW in Auftrag gaben. Die Studierenden führten Gespräche mit verschiedenen Spitex-Organisationen, aus welchen klar hervorging, wo der Schuh im Bereich der kulturellen Vielfalt schon heute drückt und welche Themen aktiv angegangen werden müssen.
Bei der Entwicklung des Leitfadens standen wir im regelmässigen Austausch mit diesen Organisationen und konnten von ihren Erfahrungen und Feedbacks profitieren.

Was erhoffen Sie sich vom Instrument?
Ich wünsche mir, dass die Spitex-Organisationen den Leitfaden aktiv nutzen. Das Factsheet beispielsweise hilft, eine Diskussion auf Leitungsebene und mit den Gemeinden anzuregen und das Thema Migration aktiv in der Organisation anzugehen.
Langfristig erhoffe ich mir, dass sprachliche oder kulturelle Missverständnisse reduziert und dadurch Leerläufe, Unter- oder Überversorgung oder gar Fehlbehandlungen vermieden und Kosten gespart werden können. Der Leitfaden bietet hier konkret Unterstützung, regt aber auch mit konkreten Beispielen an, die internen Prozesse zu überprüfen und sich mit anderen Spitex-Organisationen zu vernetzen (z.B. sich gegenseitig mit fremdsprachigen Mitarbeitenden auszuhelfen).

Welche Unterstützung können die NPO-Organisationen von Ihnen erhalten?
HEKS AltuM – Alter und Migration kann für alle Fragen rund um das Thema Alter und Migration kontaktiert werden. Wir bieten Workshops für Kader und Mitarbeitende an, unterstützen bei Intervisionen mit migrationssensiblen Fragestellungen und verfügen über ein breites, kompetentes Netz im Migrationsbereich.

Welche Massnahmen stehen noch an?
An der Konferenz der Spitex-Geschäftsleitungen wurde der Wunsch geäussert, ein Pilotprojekt mit finanzierten interkulturellen Dolmetschern zu starten. Zusammen mit den Spitex-Verband werden wir dieses Projekt nun prüfen und uns gegebenenfalls auch um zusätzliche finanzielle Mittel bemühen.

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Hilfsmittel bei Sprachbarrieren

Mithilfe von Piktogrammen und Bildtafeln können Verrichtungen des Alltags erläutert und einfache Fragen geklärt werden.


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Die Tablets der Spitex-Fachpersonen können auch für den Einsatz von Übersetzungs-Apps verwendet werden. Diese haben sich zu einer wertvollen Unterstützung im Pflegealltag entwickelt.
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Nicht nur bei den KlientInnen der Spitex ist die kulturelle Vielfalt sichtbar. Auch bei den Pflegefachpersonen ist die Diversität gross. Dieses Potential kann die NPO-Spitex Aargau nutzen, indem sie ein interne Dolmetscherliste führt. Mitarbeitende aus anderen Sprach- oder Kulturkreisen stellen sich als ÜbersetzerInnen zur Verfügung.
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Sprachliche oder kulturelle Missverständnisse können zu Leerläufen, Unter- oder Überversorgung oder gar Fehlbehandlungen führen - verbunden mit den entsprechenden Folgekosten. Eine frühzeitige Zusammenarbeit mit interkulturellen DolmetscherInnen gerade beim Erstgespräch (Bedarfsabklärung) kann dies verhindern.
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